Chronologie des Grossweiler Bergbaus
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Wappenbeschreibung, Heraldik | |
| Bergbaugeschichte Grossweil Ausdruck als PDF-Datei | ||
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In der Nähe der oberbayerischen Ortschaft Großweil wurden ab der Mitte des 19. Jahrhunderts bis ins Jahr 1962 ca. 360.000 t Lignitkohle abgebaut. Nur langsam und zögerlich entwickelte sich der dortige Bergbau. Anfangs schürften oder gruben meist Einheimische ausschließlich obertägig nach dem Bodenschatz. Erst nach und nach ging man zum untertägigen Abbau über, dann auch in bergbaulicher Manier. Während einer kurzen Hochphase zu Beginn des 20. Jhdts. hatte dieser sogar ein industrielles Gepräge. All das lag wesentlich am Rohstoff selbst. Es handelte sich um eine qualitativ minderwertige Kohle, der die letzten Stadien der Inkohlung fehlten. Lignit, auch Schieferkohle genannt, ist eine der jüngsten Kohlenarten, die in Bayern vorkommen. Sie entstand vor rund 60.000 bis 120.000 Jahren in einer warmen Klimaphase zwischen der Riß- und der Würmeiszeit. Vereinfacht ausgedrückt, handelte es sich dabei um sehr stark komprimierten Torf. |
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| um 1550 | Das Kloster Benediktbeuern als einer der wichtigsten Grundherren der Region holt Bergleute aus Sachsen ins Land, um mit deren Hilfe auf eigenem Territorium nach Kohlelagerstätten zu suchen. | |
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| Kloster Benediktbeuern zu Beginn des 17. Jh.‘s.(1) | ||
| 1601 | Das ebenfalls in der Nähe von Großweil liegende Kloster Schlehdorf erteilt als zuständiger Grundherr seinen untertänigen Bauern in den Weilern Pölten, Stern und Gröben am Weilberg die Genehmigung zum Abbau von Kohle für sechs Jahre im Tiefbau. | |
| 1796 | Der kurfürstlich baierische Hof-, Berg- und Münzrat Matthias von Flurl verspricht in einer amtlich veröffentlichten „Kundmachung“ vom 22. März d. J. demjenigen eine Belohnung, der der Obrigkeit neue Kohlevorkommen auf Landesgebiet meldet. Um Doppelnennungen auszuschließen, werden vorsorglich alle bereits damals bekannten Fundorte genannt, darunter auch (Groß)Weil. | |
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Die „Kundmachung“ Matthias von Flurls aus dem Jahr 1796 (BayHStA, KL Fasz. 104/25 (2)) |
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| 1820 | Der Großweiler Lehrer und Mesner Peter Paul Straubinger wird vom Gericht in Weilheim zu einer Geldstrafe von einem Gulden und 30 Kreuzern verurteilt, weil er „die schwarzen Charfreitagstücher zum Kohlefahren verwendet“ hat. | |
| 1846 |
Im Dezember genehmigt das königlich bayerische Bergamt in München dem Großweiler Wirt Xaver Werkmeister den Abbau von Schieferkohle auf einem seiner Grundstücke südwestlich des Ortes. Kurz darauf steigt der Münchner Steinmetzmeister Ignaz Schmid als Mitfinanzier und somit Teilhaber beim Bergbau Werkmeisters ein. |
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| 1858 | Xaver Werkmeister stirbt. Dies bedingt einen kurzzeitigen Stillstand des Kohleabbaus, obwohl Teilhaber Schmid weiterhin gültige Abbaurechte besitzt und diese aufrecht erhält. | |
| 1861 | Werkmeisters Witwe verkauft den gesamten Besitz ihres verstorbenen Mannes einschließlich des Bergbaurechts an den Bremer Kaufmann Wilhelm Poppe. Dieser ist Eigentümer von Gastwirtschaft und Brauerei im säkularisierten Kloster des Nachbarortes Schlehdorf. Für seine dortigen Anlagen benötigt er billiges Heizmaterial aus der näheren Umgebung. Von „ausgeliehenen“ Peißenberger Bergleuten läßt er erstmals einen „richtigen“ Stollen in das Großweiler Flöz schlagen. | |
| 1868 | Erneuter Stillstand des Kohleabbaus in Großweil, vermutlich wegen anhaltender Unrentabilität des Unterfangens. Die Grube fällt daraufhin wieder „ins Freie“, d. h. jeder neue Interessent kann hierfür die staatlich konzessionierten Abbaurechte erwerben, wenn er festgelegte Sondersteuern bezahlt. | |
| 1872 | Der frühere Teilhaber Ignaz Schmid erwirbt die Abbaurechte für Großweil alleine. | |
| 1873 | Am 16. Mai wird Schmid alleiniger Besitzer des Bergwerks in Großweil. Er benennt es erstmals als „Irene-Zeche“. Das Mutungsgebiet (= potentielles Abbaugebiet) ist 35 Hektar groß. | |
| 1876 | Im November beantragt Schmid ein weiteres Grubenfeld, das an das bereits bestehende angrenzt und nennt es „IrenenZeche II“. Es umfasst 400 Hektar Mutungsfläche. Für den Abbau bleibt es jedoch bedeutungslos. | |
| 1879 | wird Ignaz Schmid vom Bergamt München ein drittes Grubenfeld von ca. 800 Hektar Mutungsfläche zugestanden. Es bekommt die Bezeichnung „Antonien-Zeche“ und reicht fast bis zum Nachbarort Ohlstadt im Süden. | |
| 1891 | erwirbt Max Bullinger, der Eigentümer einer Papierfabrik in Pasing und einer Papiergroßhandlung in München zusammen mit seinem Geschäftspartner Franz Ries den gesamten Bergbaubetrieb in Großweil. | |
| 1898 |
Im Mai wird Großweiler Kohle erstmals auf der gerade fertig gestellten Kochelseebahn abtransportiert. Kunden sind einige Kleinabnehmer aus der näheren Umgebung, die Bullinger’sche Papierfabrik in Pasing, die städtischen Gaswerke in München sowie mehrere Brauereien in der Landeshauptstadt. Sogar einige Textilfabriken in Augsburg werden mit Kohle aus Großweil beliefert. Die tägliche Förderleistung des Bergwerks beträgt nun ca. 20 bis 30 Tonnen. Trotzdem müssen die Eigentümer Bullinger und Ries bald feststellen, dass ihr Kohleabbau in der betriebenen Form unrentabel ist. |
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| 1917 | Gegen Ende des Ersten Weltkriegs gewinnt Kohle aus Großweil plötzlich rasant an Bedeutung - trotz all ihrer Defizite. Grund dafür ist der einsetzende, bald akut werdende Brennstoffmangel in Bayern. So kauft im Juli d. J. die „Maschinenfabrik AugsburgNürnberg AG“ (MAN) relativ überstürzt das nach wie vor darniederliegende Bergwerk auf, um sich Rohstoffreserven für die eigenen Produktionsstätten zu sichern. Rasch folgt ein gewaltiger Ausbau der örtlichen Infrastruktur. U. a. wird nun in professioneller Weise ein neuer Stollen mit Hilfe von Bergleuten aus Penzberg aufgefahren. | |
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| Das vergrößerte Stollenmundloch nach der Übernahme des Bergwerks durch die MAN, 1917. | ||
| 1918 | Im August geht die von der Kölner Maschinenfabrik Pohlig gebaute, gut sechs Kilometer lange Materialseilbahn zum Bahnhof Kochel in Betrieb, eine für die damalige Zeit sehr moderne Anlage. | |
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| Masten der Materialseilbahn Großweil-Kochel um 1920. In Bildmitte eine Schutzbrücke aus Beton über die Landstraße. | ||
| 1918 | Die Jahresförderung des Bergwerks beträgt ca. 8.600 Tonnen. | |
| 1919 | Fertigstellung des 1917 angeschlagenen Stollens. Die Auffahrung hatte sich durch Unstimmigkeiten zwischen Geologen, Bergwerksleitung und Konzernführung immer wieder verzögert. | |
| 1920 |
Ab Juli d. J. steigt die Belegschaft des Bergwerks auf über 280 Personen an, die jährliche Förderleistung der Grube beträgt bald 45.000 Tonnen. |
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| Belegschaft des Bergwerks Großweil 1921. Im März d. J. sind noch ca. 250 Arbeiter beschäftigt. | ||
| 1921 |
Im Juni d. J. wird das Bergwerk an die neu gegründete „Bayerische Braunkohle-Aktiengesellschaft“ (BBAG) verkauft. Sie hat ihren Sitz zunächst in München, später dann in Großweil und besteht überwiegend aus branchenfremdem Aktionären, die selbst in Norddeutschland leben. |
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| Bergleute aus Großweil vor der elektrischen Grubenbahn. | ||
| 1922 | Die höchste, im Bergwerk jemals erreichte Jahresfördermenge von 52.411 Tonnen wird erreicht. | |
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| 1923 | Die Bayerische Braunkohlen AG ist zahlungsunfähig. | |
| 1924/1925 |
Die Aktienberichte der Gesellschaft weisen keine Kohleförderung mehr aus. |
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Blick vom Verladegebäude in Kochel auf die Seilbahn Richtung Großweil. |
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| 1926 | In der Generalversammlung am 15. Oktober d. J. wird der Beschluss zur Sanierung des maroden Unternehmens gefasst. | |
| 1928 | Die Wiederherstellung des Unternehmens scheitert ein erstes Mal. | |
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| Eine Aktie des Bergwerks Großweil aus dem Jahr 1929. | ||
| 1930 |
Beginn der Liquidation der Aktiengesellschaft. |
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| Der Großweiler Bergmann Josef Demleitner. | ||
| 1935 | Der Kaufmann und Werbefachmann Rolf Küch aus Berlin übernimmt die endgültige Auflösung der AG. Er wickelt für seine beiden Tanten alle diesbezüglichen Geschäfte ab, da sie als letzte ursprüngliche Anteilseigner des Bergwerks fachlich nicht dazu in der Lage sind. Später erwirbt er die in Familienbesitz verbliebenen Firmenanteile selbst. | |
| 1936 |
Die mindestens seit 1925 nicht mehr betriebene Materialseilbahn wird von den Behörden als Sicherheitsrisiko und „landschaftsstörendes Element“ eingestuft und soll deswegen baldmöglichst entfernt werden. Im Sommer d. J. werden in der Grube Großweil Teile des Gebisses eines Waldelefanten aus der Eiszeit gefunden. |
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| 1938 |
Am 28. Oktober d. J. wird die Bayerische Braunkohlen Aktiengesellschaft (BBAG) endgültig aufgelöst. Gleichzeitig erwirbt Liquidator Rolf Küch den verbliebenen Rest der IreneZeche selbst und gründet damit ein eigenes Unternehmen. Es erhält den Namen „Bayerische Braunkohlen Großweil“. Von seinem Wohnort Berlin(!) aus lenkt er alle damit verbundenen Geschäfte. |
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Die Betriebsanlagen des Bergwerks, 1921, von Süden aus gesehen. |
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| 1938 | Die ehemalige, seit Jahren nicht mehr benötigte Verladestation für die Kohle (= Endstation der Seilbahn) in der Nähe des Bahnhofs Kochel wird abgerissen, weil sowohl die Bevölkerung als auch die Bezirksämter Weilheim und Tölz darauf drängen. | |
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| Die Verladestation in Kochel. | ||
| 1939 |
schrittweise Demontage der Materialseilbahn zwischen Kochel und Großweil sowie bis 1942 Aufbau der Anlage an anderer Stelle in Deutschland. |
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| 1941 | Auf Grund der eskalierenden Kriegsereignisse wird Rolf Küch als Bergwerkseigentümer vom Staat verpflichtet, sein Unternehmen „in den Dienst der Volksgemeinschaft zu stellen“, d. h., die Kohleförderung trotz aller Widrigkeiten vollständig zu reaktivieren. | |
| 1942 |
Gegen Ende d. J. wird der Förderbetrieb in Großweil erneut aufgenommen. Teile der Belegschaft bestehend nun aus jungen polnischen und ukrainischen Zwangsarbeitern. Zusammen mit wenigen deutschen Kräften besteht sie aus etwa 20 Personen. |
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| 1942 | Im August d. J. wird die Konzession auf ein, neues, weiter westliches gelegenes kleines Abbaugebiet für weitere 30 Jahre genehmigt. | |
| 1948 | In der wirtschaftlich schlechten Nachkriegszeit läuft der Abbau in Großweil auf Hochtouren. Mit der Währungsreform vom 20. Juni jedoch verliert die schlechte Kohle fast schlagartig an Bedeutung, da der Markt wieder regulär und mit wesentlich höherwertigeren Brennstoffen ausreichend beliefert werden kann. Der Preis der Großweiler Kohle verfällt praktisch über Nacht, daher wird der Betrieb drastisch zurückgefahren. | |
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| Grubenlok mit Hunten in den 1940/50er Jahren. | ||
| 1958 | In Ortsnähe bricht ein komplettes Pferdefuhrwerk über einem alten, aufgelassenen Stollen ein und versinkt. Daraufhin drängt die Bergbaubehörde in München verstärkt auf eine rasche Beendigung des dahin dümpelnden Betriebs. | |
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| Bergung des über einem alten Stollen eingebrochenen Pferdegespanns bei Großweil im Jahr 1958. | ||
| 1962 |
Im Mai d. J. wird letztmals offiziell Großweiler Kohle gefördert. Die beiden letzten Hauer werden entlassen. |
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| Was ist vom Bergbau geblieben? | ||
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Der ehemalige Schutzbogen über die Dorfstraße, einst wegen der Drahtseilbahn nach Kochel errichtet (Alte Murnauer Straße). |
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| Foto: Weinfurtner | ||
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Eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Bergbaus im Rathaus/ehemaligen Postgebäude in Grossweil. |
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Einige ehemalige Wohnhäuser der Bergarbeiter (Großweil, Bergwerkstrasse). |
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Quellen: - Literatur: Höntze, Ernst: „Das Unternehmen wird uns eben nie Freude machen kön- nen“ Von Höhen und Tiefen bergbaulichen Engagements am Alpenrand von Großweil. In: Weidlich, Ariane (Hg.): Moderne Zeiten? Industrialisierung im ländlichen Oberbayern. Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Freilichtmuseum Glentleiten, Großweil, Saebl, Anton: Chronik und Heimatbuch Großweil, Kleinweil, Zell. Großweil 1981 bzw. 1998, S. 41-65 bzw. S. 53-76. - Bilder: Privatarchive von Anton Saebl, Großweil; Therese Luidl, Kleinweil; Thomas Weinfurtner, Peißenberg. (1) Handwerk im Dienst der Kunst. Auf dem Boden der Grundherrschaft Benediktbeuern. Kloster Benediktbeuern (nach einen Stich aus Stengel, Monasteriologiae), Benediktbeuern zu Beginn des 17. Jahrhunderts; (2) Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Sign. Kl. Fasz. 104/25 (in Kopie freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Therese Luidl, Kleinweil).
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