Vorkommen, Abbau und Verwendung


Das Kohlevorkommen bei Großweil erstreckte sich weitgehend horizontal und vermutlich in nur einem Flöz entlang des Flusses Loisach zwischen den Orten Grossweil und Ohlstadt.

Großweil und Umgebung in idealisierter Darstellung auf einer Postkarte aus den 1920er Jahren. Diagonal im Bild die Materialseilbahn des Bergwerks.

Die Positionierung dieses Rohstofflagers ermöglichte eine Gewinnung sowohl im Tagebau als auch im Stollenbau. Mächtigkeiten des Flözes von zwei bis stellenweise vier Metern im Zentrum ließen es zu, im Berg auf die ansonsten übliche Auszimmerung mit Holz- und Eisenstempeln zu verzichten. Stattdessen „durchgrub“ man das Flöz systematisch in der Weise, dass beim Abbau, wie auf einem Schachbrett annähernd gleichmäßig verteilt, massive Pfeiler von ca. zwei Metern Kantenlänge stehen blieben und dadurch das Hangende über sich abstützten. Dieses für den Großweiler Bergbau charakteristische Gewinnungsverfahren bezeichnete man folglich als Pfeiler- oder Kastlbau. Einerseits war so die Kohle zwar relativ günstig zu gewinnen - Kosten für Stützelemente fielen ja kaum an. Andererseits aber lag die Ausbeute selten höher als 50% des verwertbaren Materials.

Bergleute vor dem Eingang des so genannten Zubaustollens bei Großweil im Jahr 1908.

Von Anfang an war die schlechte Qualität der Großweiler Kohle eines der größten Probleme bei ihrer Verwertung. Wegen des geringen Inkohlungsgrades hatte sie nur einen sehr niedrigen Brenn- und damit Heizwert. Ihre Eignung beschränkte sich damit automatisch und so gut wie ausschließlich auf den privaten, allenfalls kleingewerblichen Hausbrand. Die Verwendung in der Industrie hingegen war unter normalen Umständen kaum interessant. Dort konnte sie lediglich als billiges Streckmittel für qualitativ höherwertige Kohle eingesetzt werden. Als reguläres Heizmaterial jedoch war sie erst nach einer grundlegenden Umrüstung der bestehenden Feuerungsanlagen nutzbar.

Problembehaftet war lange Zeit auch der Abtransport des Lignits von seinem Förderort. Die erste spürbare Verbesserung brachte der Bau der Eisenbahn bis Kochel im Jahr 1898 mit sich. Ab 1918 und bis etwa 1925 überbrückte zusätzlich eine moderne Materialseilbahn die „Lücke“ vom Bergwerk in Großweil zum Verladebahnhof in Kochel. Dadurch war nun der überregionale Absatz möglich. Bis dahin war man auf den Transport über die Landstraße angewiesen.

Aus den genannten Gründen war Großweiler Kohle als überregional verfrachtetes Massengut lediglich in wirtschaftlich stark angespannten Zeiten von größerer Bedeutung. In unmittelbarer Nähe seines Förderortes und mengenmäßig wesentlich begrenzter, war das Lignit jedoch in manchem Privathaushalt über viele Jahre ein willkommener Zusatzbrennstoff neben dem sonst üblichen Hauptheizmaterial Holz.