Chronologie des Hohenpeissenberger Bergbaus

Wappenbeschreibung, Heraldik
Bergbaugeschichte Hohenpeissenberg Ausdruck als PDF-Datei

Als der Bauernbub Christoph Lenker um 1580 die Kohlenvorräte des Hohen Peissenberges entdeckte, war er sich der Tragweite dieses Fundes wohl kaum bewusst. In den nächsten Jahrhunderten sollte die Pechkohle (Glanzbraunkohle) die Geschicke der Bevölkerung rund um den Hohen Peissenberg massgeblich beeinflussen.
Nach anfangs noch zögerlichen, mehr oder minder erfolgreichen, privaten Abbauversuchen kam es erst, 1837, mit dem Anschlag des Hauptstollens in Hohenpeissenberg, durch den Steiger Heinrich Bauer, zum entscheidenden Durchbruch.
Hauptabnehmer für die Peissenberger Kohle war seit jeher die Stadt Augsburg. Die Kohle konnte auf der alten Salzstrasse nach Schongau transportiert werden und wurde von dort aus per Floss nach Augsburg verfrachtet.
Erst durch die Verlängerung der Eisenbahnstrecke (Starnberg – Tutzing – Unterpeissenberg) konnte auch der Münchner Absatzraum erschlossen werden.

Flossbetrieb auf dem Lech vor den Toren Schongaus.
Um 1580
Christoph Lenker, der Sohn des Stoffelhofbauern, entdeckt zu Tage tretende Kohleflöze am Hohen Peissenberg.
1594 Der Augsburger Geschäftsmann Hans Maier erhält von Herzog Wilhelm V. die Erlaubnis„in unserem Land vor und in den Gepürgen auf Stainkoln zu pauen“. Nach einem Waldbrand, der durch die Peitinger Kalköfen ausgebrochen war, wurde Maier das Privileg auf Kohleabbau, Anfang des 17. Jahrhunderts wieder entzogen.
1607 Christoph Lenker, der die Kohlenflöze am Hohen Peissenberg entdeckte, übernimmt den Bergbau am Hohen Peissenberg.
Dieses Unternehmen ging wahrscheinlich in den Wirren des 30 jährigen Krieges wieder unter.
ca. 1793-1795 Der Tobiasstollen wird angeschlagen. Betreiber ist die "Oberländische Steinkohlen-Gewerkschaft". Die Förderung betrug im Jahre 1799 genau 7239 Zentner.
Die geförderte Kohle wurde auf dem Lech, ab Schongau, auf Flössen nach Augsburg transportiert und dort verkauft.
Die Napoleonischen Kriege brachten den Verkauf ins Stocken und die Gesellschaft musste den Betrieb wieder einstellen.
1807 betrieb ein J. S. Grouner, als Privatperson, noch Bergbau am Tobiasstollen. Wie lange er den Betrieb aufrecht erhalten konnte ist nicht überliefert.
Ca. 1850 wurde der Tobiasstollen wieder aufgelassen.
1837 Am 8. 5. wurde durch den königlichen Steiger Heinrich Bauer auf den Brandachfeld in Hohenpeissenberg der Hauptstollen angeschlagen. Dies war der Beginn des staatlichen Bergbaus am Hohen Peissenberg.
Das Stollenmundloch des Hauptstollens in Hohenpeissenberg.
1840 Beginn der planmäßigen Kohlenförderung am Hauptstollen.
Im Bild die Übertageanlagen des Hauptstollens.
Im Jahre 1844 bestand die Belegschaft bereits aus einem Steiger,
27 Bergleuten, 5 Scheidern und Zimmerleuten.
Tagesanlagen am Hauptstollen um 1900. Links vorne, das Steigerhaus.
1847 Der „Unterbaustollen“ wird angeschlagen. Bis 1971 diente der Unterbaustollen als Wasserreserve für die Gemeinde Hohenpeissenberg.
1847 Im August wird der „Oststollen“ als Ersatz-Stollen zum Hauptstollen, dessen Kohlevorräte auf den bauwürdigen Flözen 8, 10/11, 14, 16 und 17 zu Ende gingen, angeschlagen.
1857 Der Wasserstollen wird auf eine Länge von 162m aufgefahren. Dieser Stollen hatte mit den übrigen Grubenbauen keine Verbindung. Seine reine Funktion für wassertechnische Aufgaben gab ihm seinen Namen.
1857 Der Hermannstollen wird am Nord-Ost-Hang des Hohen Peissenbergs angeschlagen. Im Rappoldskreuter Graben gelegen, war er der erste kohlefördernde Stollen Peissenbergs, d. h. er brachte als erster wirklich Kohle in das damalige Dorf „Unterpeissenberg“.
Für den Abtransport der Kohle wurde eine 1 km lange Kohlenabfuhrstrasse bis „Bad Sulz“ angelegt.
Die erste Fuhre Kohle aus dem Hermannstollen brachte der Bauer Johann Häringer aus Windkreut, auf geschmückten Wagen, nach Starnberg. Den Rohstoff für die unterhalb gelegene Zementbrennerei, lieferte das Flöz 9 mit einem 1m mächtigen bituminösem Kalkstein.
Der 85m lange Stollen wird bereits vor 1900 wieder aufgelassen.
1868 Der Mittelstollen wird angeschlagen und 1874 im Gegenortbetrieb zum Tiefstollen durchschlägig.
Bauriß Flöz 9
Hoher Peissenberg. Bauriss Flöz 10/11.
1889 Am Unterbau werden zwei Schächte abgeteuft. Ein Schacht für die Förderung, der andere zur Wasserhaltung und als Wetterschacht.
Gesamtkosten für das Projekt 1 463 950 RM.
1895 Die Unterbauschächte erreichen die 2. Tiefbausohle 280 m unter Gelände.
Unterbauschachtanlage Hohenpeissenberg.
1898 Mit einer 3,6km langen Drahtseilbahn wird die am Unterbauschacht geförderte Kohle zum Tiefstollen nach Peissenberg transportiert.
Drahtseilbahn. Blick nach Peissenberg (Hauptschacht).
1928 Die Förderung am Unterbau wird eingestellt.
1937 Beginn der Abteufarbeiten des Hohenpeissenberger Wetterschachtes.
Wetterschacht, Hohenpeissenberg am heutigen Bahnhof.
1946 Die Unterbauschächte werden verfüllt.
1954 Von 1954 bis 1961 wird auf der 1000m Sohle eine Verbindung zwischen Peissenberg und Hohenpeissenberg geschaffen.
Im Gegenortbetrieb treffen die Strecken die den Zieglmeierschacht und den Wetterschacht Hohenpeissenberg verbinden sollen mit einer Genauigkeit von 8cm, auf 7000m Entfernung, zusammen. Eine Einmalige und äußerst anspruchsvolle bergtechnisch und markscheiderische Leistung in der Bergbaugeschichte.
Durchschlag der untertägigen Verbindung Peissenberg - Hohenpeissenberg.
1955 Die Hauptstelle für das Grubenrettungswesen wird am 21.10. in Hohenpeissenberg eingeweiht.
1960 Am 15.12. erreicht der Wetterschacht die 8. Sohle.
Wetterschachtanlage Hohenpeissenberg.
1970 Am 31.3. wird der Bergbaubetrieb in Hohenpeissenberg eingestellt.
Was ist vom Bergbau geblieben ?
Die ehemaligen Bergwerksgebäude der Wetterschachtanlage am Bahnhof sind noch weitgehend erhalten. Verschiedene Firmen haben sich auf dem Gelände angesiedelt.
Der Unterbaustollen mit renovierten Stollenmundloch.
Das Stollenmundloch des Unterbaustollen nach der Renovierung.
Am Unterbau befindet sich nach wie vor die Hauptstelle für das Grubenrettungswesen. Die ehemaligen Beamtenhäuser wurden 2005 renoviert und dienen weiterhin als Wohnanlagen.
Die ehemaligen Beamtenhäuser am Unterbau, Hohenpeissenberg.
Zum Großteil auf Hohenpeissenberger Flur verläuft der „Stollenweg“ (geologischerLehrpfad).
Das 1841 erbaute Steigerhaus am Hauptstollen steht unter Denkmalschutz und ist bis heute nahezu unverändert erhalten geblieben.
Der Hauptstollen wurde von ehemaligen Bergleuten aufgewältigt
und ist z.Zt. auf ca. 100m befahrbar.
Quellen:
Peissenberger Heimatlexikon, von Max Biller

Lehrpfad Bergbau-Geologie-Landschaft am Hohen Peissenberg, von Josef Heinlein, Ludwig Stippel.

Peissenberger Jahreschronik „Der Bergbau im bayerischen Alpenvorland und sein Niederschlag auf die Heraldik von Ortswappen“ von Ludwig Stippel.

Bergbaumuseum Peissenberg.

Bearbeitung: Thomas Weinfurtner, Rudolf Hochenauer

Dank an: Luwig Stippel, Konrad Fünfgelder, Franz Fischer und an die Leitung des Bergbaumuseums Peissenberg.