Chronologie des Mariensteiner Bergbaus

Wappenbeschreibung, Heraldik
Bergbaugeschichte Marienstein Ausdruck als PDF-Datei

In der Zeit von 1902 – 1962 wurden in Marienstein 4 Millionen t Pechkohle gefördert.
Qualitativ lieferte das Bergwerk Marienstein die beste der oberbayerischen Pechkohlesorten.

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Zur Vergrößerung und Erläuterung klicken sie bitte auf das Bild. Panoramabild: Hans Winklmair
1835 In Holzwiesenthal, der jetzigen Ortschaft Marienstein, wird von Paul Deuringer  (1816 - 1877)  „Cementmergel“ entdeckt.
1850/51

Der Besitzer des Gutes Oberkammerlohe, Paul Deuringer, errichtet zwei Zementöfen sowie eine, durch ein Dampflokomobil betriebene, Mühlenanlage.
Ebenfalls wird zu dieser Zeit der Barbarastollen, zur Gewinnung von Zementmergel, durch Steiger Päppenauer vorgetrieben.
Dabei durchquerte man auch Pechkohlenflöze, die bereits aufgrund der geologischen Untersuchungen des oberbayerischen Alpenvorlandes durch den königlichen Bergmeister Carl Wilhelm von Gümbel (1823 – 1898) bekannt waren.

1852

Am 16. August wird Deuringer das Gewinnungsrecht auf Pechkohle durch das Bergamt München verliehen.
Die Kohle wird zunächst nur für den Energiebedarf des Zementwerkes abgebaut.

1868 Das erste Arbeiterwohnhaus (Päppenauer-Haus) wird errichtet.
1872 Die neugegründete Gewerkschaft „Oberkammerlohe“ erwirbt den gesamten Besitz Deuringers.
1881 Die Kantine im „Päppenauer-Haus“ wird eröffnet.
1885 Der Marienstollen wird angeschlagen.
1886 Nach Deuringers Enkelin Maria wird Holzwiesenthal umbenannt in Marienstein.
1890 Das „Bayerische Portlandzementwerk Marienstein“ wird als Aktiengesellschaft gegründet.
1891 Die Industriebahn von Marienstein nach Schaftlach wird eröffnet. Die Dampflok „Marienstein I“ verrichtet ihren Dienst bis 1905.
Die Lok Marienstein I versah ihren Dienst von 1891-1905.
1902

die Schwestergesellschaft des Bayerische Portlandzementwerk Marienstein, die „Gewerkschaft Marienstein“, wird gegründet. Dieser Gesellschaft werden die Grubenfelder Marienstein-Zeche und Andreas-Zeche verliehen, die sich ungefähr vom Steinberghof bei Finsterwald bis nach Bad Tölz und in nördlicher Richtung bis zum Taubenberg erstrecken.
Die kommerzielle Förderung der Kohle nimmt ihren Anfang
.

1903

Am Nordhang des Taubenberges wird ein Flachschacht abgeteuft. Die gewonnene Kohle wird in einer provisorischen Sortierung aufbereitet.

1904 Unter dem Namen „Gewerkschaft Marienstein“ werden die  die beiden Grubenfelder Marienstein-Zeche und Andreas-Zeche vereinigt.
1904

Beginn der Abteufarbeiten des Förderschachtes. Der Förderschacht wird zunächst auf eine Tiefe
von 120 m abgeteuft.

1905 Die Lokomotive Marienstein II wird in den Dienst der Werksbahn gestellt. Bis 1962 wird mit ihr das gewonnene Material (Kohle, Zement) nach Schaftlach transportiert.
Die Dampflokomotive Marienstein II 1958.
1906/ 07 Weiteres Abteufen des Förderschachtes auf 220 m.
Die Mariensteiner Schachtanlage 1909.
1910

erwirbt die Gewerkschaft die Grubenfelder Simon und Alexander.
Das Grubenfeld wächst auf nun 3024 ha.

1913 der bei der Kohlegewinnung anfallende Stinkstein, der bis dahin auf Halde geworfen wurde, wird nun vom Zementwerk abgenommen.
1917 ein 4,2 m mächtiges Kohlevorkommen wird im Flöz 2 abgebaut.
1919 die Stuttgarter Immobilien und Baugeschäfts AG überträt ihre Anteile am Bergwerk an die Portland-Cementwerke Heidelberg-Mannheim-Stuttgart AG.
1920 Abteufen des Förderschachtes auf 300 m Tiefe.
Mannschaft vor dem Fördergerüst.
1922 im vorderen Ortsteil, beiderseits des Festenbaches, wird die erste Bergmannssiedelung errichtet.
Die ehemalige Arbeiterkolonie um 1910.
1928

kommt es zu einem Grubenunglück. Bei einem Förderseilriss sterben sieben Bergmänner.

Trauermarsch für die verunglückten Bergleute, 1928.

1930-32 Der Förderschacht wird auf die 4. Sohle (380 m) abgeteuft.
Förderschachtanlage Bergwerk Marienstein.
1931 Das Fördermaschinenhaus wird durch einen Brand schwer beschädig. Infolge des Betriebsstillstandes kommt es zur Entlassung der Beschäftigten. Einstellungen werden erst wieder nach der Instandsetzung vorgenommen.
Das Brennende Fördermaschinenhaus 1931.
1934 Bei einem weiteren Grubenunglück sterben die Bergmänner Georg Blüml, Peter Klaußer aus Marienstein sowie der Waakirchner Bergmann Eigemann.
1935 Eine neue Kraftzentrale wird errichtet die das Bergwerk, das Zementwerk und die Ortschaft mit Elektrizität versorgt.
1935-1937 Ein über zwei Kilometer langer Querschlag, der den Südflügel mit dem Nordflügel des Bergwerks verbindet, wird aufgefahren.
1940 Der Langfrontenausbau mit Stauscheibenförderer wird im Mariensteiner Bergbau eingeführt.

Stauscheibenförderer (Bild aus dem Peissenberger Bergbau).

1940 Ein weiterer Stillegungsantrag wird, wegen des  Energiemangels im zweiten Weltkrieg, nicht genehmigt. Vom Reichswirtschaftsministerium erhält das Bergwerk Ausgleichszahlungen für entstehende Verluste.
1941 Ein neues Fördermaschinenhaus wird gebaut.
1942 Die Förderung wird komplett auf den Nordflügel des Bergwerks umgestellt.
1943 Am 5. Januar erfolgt nochmals ein Stillegungsantrag. Durch den Verkauf des mitgewonnenen Stinksteins an das angeschlossene Zementwerk erhoffte man die wirtschaftliche Lage zu verbessern. Die Qualität des Stinksteins war jedoch für die Zementherstellung nur bedingt geeignet.
1950-1953 Der Südflügel wird nochmals aufgewältigt.
1951 Die BHS (Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke AG) übernimmt treuhänderisch die Mariensteiner Grubenfelder.
1960 Einbau einer Kohlenhobelanlage.
Einen erneuten Stillegungsantrag wird stattgegeben.
1962 Der letzte  mit Kohle beladene Hunt wird am 31. Januar in Marienstein gefördert.
Den letzten, fast dreihundert Bergleuten, wird gekündigt.
Die Mannschaft fördert ein letztes Stück Kohle zutage.
Was ist vom Bergbau geblieben?

Die weithin sichtbare Mariensteiner Bergehalde.

Bergehalde an der Ortseinfahrt zu Marienstein (Foto: Winklmair).

Die ehemalige Wetterschachtanlage, Nordflügel in Frauenreit, bei Waakirchen.

Foto: Winklmair

Das Bergwerksdenkmal in Marienstein. Eingeweiht am 12.8.1987.

Foto: Winklmair

Die Ruinen der Bergstation des Förderberges auf der ehemaligen Halde.

Foto: Winklmair

Die Gedenktafel der IG Berbau und Energie an der Hauptstrasse 41.

Die Kapelle (Totenhäuschen) in der früher die Verunglückten des Bergwerks und der Zementfabrik aufgebahrt wurden.

Die Kapelle am alten Fußweg „Bergwerk-Zementfabrik“. Foto: Winklmair

Der Hunt (Nr.200) am Dorfplatz in Marienstein . Aufgestellt am 25.11.2009.
Die Einweihung des Huntes erfolgte am 06.12.2009 durch Pater Joachim Hagel während des Barbarafestes.
Quellen:
-
Privatarchiv, Hans Winklmair, Karl Becker, Anton Sebek, Konrad Fünfgelder

Bilder:
Hans Winklmair, Privatarchiv Hans Winklmair, Archiv Bergbaumuseum Peissenberg

Bearbeitung:
Hans Winklmair, Thomas Weinfurtner.

Dank an:
Hans Winklmair, Konrad Fünfgelder, Bergbaumuseum Peissenberg