Chronologie des Miesbacher Bergbaus

Wappenbeschreibung, Heraldik
Bergbaugeschichte Miesbach Ausdruck als PDF-Datei

Von 1847 – 1911 wurden in Miesbach 4 Millionen t Pechkohle abgebaut.

1756

Franz Boisinger erhält ein landesfürstliches Privileg für zehn Jahre und eröffnet das erste Bergwerk am rechten Ufer der Leitzach bei Parsberg, an dem die Flötze zutage traten. Das Unternehmen musste jedoch schon bald wieder aufgegeben werden.
Wenige Jahre später versuchte man auf landesfürstliche Kosten im Birkengraben bei Miesbach und am Gschwendt bei Agatharied, westlich der Schlierach gelegen, sichtbare Flötze auszubeuten. Der Betrieb rentierte sich jedoch nicht und musste ebenfalls eingestellt werden.

1763/64 Weitere Versuche, in diesem Gebiet Steinkohle abzubauen. Man wollte diese zum Brennen von Ziegeln verwenden. Wegen technischer Probleme musste das Unternehmen erfolglos beendet werden.
Um 1830

Hofhammerschmied Georg Lindauer baut im Sulzgraben südöstlich von Parsberg bei Miesbach Kohle ab. Abbau und Transport sind jedoch zu schwierig, so dass der Abbau schnell wieder eingestellt wird.

1835

Der Miesbacher Kaufmann Josef Karlinger versucht erneut Kohle im Sulzgraben abzubauen. Der wirtschaftliche Erfolg bleibt jedoch aus und er verkauft die Grube schließlich 1846 an Max Ritter von Stegmeyer.

1847 Ritter von Stegmeyer, München begründet mit Friedrich Graeser, Dr. Rohatzsch und Wilhelm Ruedorffer eine 128-teilige Gewerkschaft, den “oberbayerischen Bergwerksverein“ der, weil dessen Name geografisch zu umfassend, in "privilegierte Miesbacher Steinkohlengewerkschaft“ umgewandelt wird.
1849 Alexander Schöller (ab 1865 Alexander Ritter von Schöller) Unternehmer und Inhaber des Bankhauses Schöller in Wien erwirbt die Mehrheit der Miesbacher Gesellschaft.      
1850

Durch das Engagement der „Gewerkschaft“ und Dank der finanziellen Mittel entwickelt sich ein geregelter Betrieb mit zwei Stollen im schwer zugänglichen Sulzgraben, einen in Biberg bei Agatharied, einen in Großthal, nordöstlich von Agatharied, einem in Au und die Leitzachstollen.
1. Direktor wird Carl Gustav Schwarze aus Jülich, der mit 250 regelmäßig beschäftigten Arbeitern täglich 1000 Zentner zu Tage bringt.

1851 In Miesbach selbst hatte das königliche Bergamt sich ein „Ärarial-Reservat“ für den Abbau von Kohlen gesichert.
Der Betrieb wurde am linken Ufer der Schlierach nahe der Brücke aufgenommen. Hierfür wurden Bergmänner aus Peissenberg angeworben. Ludwig Karlinger, der als Schichtmeister die Versuchsbaue und Schürfungen leitete, trieb der Abbau auf den Birknergraben und beim Plutzer voran. Dort wurde ein Schacht abgeteuft, der jedoch wegen erheblichen Wassereinbruchs nicht den erwünschten Erfolg brachte. Unter ihm wurde auch der „Schlierachstollen“ aufgefahren mit einer Länge von 260 Lachtern. Das Bergwerk beschäftigt in dieser Zeit 20 Arbeiter.
1857 Das staatliche Reservatfeld zwischen Schlierach und Mangfall wird dem Privilegiumsfeld der Miesbacher Gewerkschaft zugeschlagen.
1861 Fertigstellung der Eisenbahnlinie Holzkirchen – Miesbach und dadurch viel bessere Transportmöglichkeiten.
Ansicht von Miesbach und dem Bergwerk um ca. 1875, Gemälde von Gumberger.

1869

Eröffnung der Bahnlinie Miesbach – Hausham – Schliersee.
Der Grubenbesitz des Freiherrn von Eichthal in Penzberg geht in der Miesbacher Steinkohlegesellschaft auf.

1870

Gründung der „Oberbayerischen Aktiengesellschaft für Kohlebergbau in Miesbach“. Carl Fohr wird Generaldirektor. Unter dessen tatkräftiger Leitung kommt es zu einem stetigen Ausbau der Grube.

Portrait von Carl Fohr, Bergwerksdirektor.

1872 Errichtung der Bergschule in Miesbach - die einzige in Bayern - durch das kgl. Oberbergamt.
Bis zur Schließung 1883 wurden hier 51 Männer ausgebildet.
Kgl. Bergschule Miesbach: Portraits von Lehrern und Schüler, 1874
1877 Der Knorrschacht (heute Eishalle) auf der Plutzergrube wird auf 32 m abgeteuft.

Knorr-Schacht, 32 Meter tief auf den heutigen Parkplatz mit Eissporthalle, (Originalfoto Bergbaumuseum Hausham).

1879 Nach 13- jähriger Arbeit erfolgt der Durchschlag des Neumühler-Stollens zum Knorrschacht.
1881 Einführung der elektrischen Beleuchtung in den Anlagen des Bergwerks über Tage.

1882

Gelang Oskar von Miller, Gründer des Deutschen Museums und Marcel Deprez im Rahmen der „Internationalen Elektrizitätsausstellung“ in München der weltweit erste Versuch, elektrische Energie über eine größere Strecke zu übertragen. Mittels eines 1,5 PS Gleichstromgenerators im Maschinenhaus des Miesbacher Bergwerks wurde der Strom über eine Telegrafenleitung in den Glaspalast  transportiert und speiste dort eine Zentrifugalpumpe, die einen 2,5 m hohen Wasserfall antrieb.

Wiederum spielt Carl Fohr eine wichtige Rolle.

Elektrische Kraftübertragung von Miesbach nach München 1882, (Originalplakat Deutsches Museum, München).

1887 Das Direktionsgebäude (heute Berufsbildungszentrum) wird gebaut.
1890 Die neue Schachtanlage, mit 148 m Tiefe, wird nordwestlich vom Miesbacher Ortskern (Frauenschul- Bergwerksstraße) eröffnet. Gleichzeitig wird die „Knorr-Schachtanlage“ aufgelassen.

Bergwerksanlage von Miesbach 1890/95.

1902 Erzielt die Grube Miesbach ihre höchste Förderleistung.
In der Folgezeit geht die  Produktion stark zurück
.
Bergwerksbeamte und Angestellte der Knappschaft Miesbach um 1900.
1908

Die Bergwerksdirektion wird nach München verlegt.
Neu erschlossene Flöze abzubauen, wird aus Rentabilitätsgründen verworfen.

Ehemaliges Verwaltungsgebäude der Bergwerksdirektion Miesbach, jetzt staatliches Berufsbildungszentrum

1911 Schließung des Miesbacher Bergwerks.
Ein Großteil der Arbeiter werden von dem Haushamer Bergwerk übernommen.

Bergarbeiterhäuser in der Schützenstraße.

Was ist vom Bergbau geblieben?

Sichtbare Spuren des Bergwerks sind nach 100 Jahren kaum mehr zu finden.
Äußere Zeugen der Grube Miesbach findet man noch in der Bergwerksstraße, und zwar den oberen Teil eines ehemaligen „Munitionsstollens“, sowie in der Frauenschulstraße: Das ehemalige Gebäude der Bergwerksdirektion, das 1909 in den Besitz des „Vereins für wirtschaftliche Frauenschulen auf dem Lande„ überging, beherbergt heute das staatliche Berufbildungszentrum (BBZ), ehemals „Frauenschule“ Miesbach.
Ehemalige Arbeiterwohnhäuser aus der Bergwerkszeit findet man noch in der Schützenstraße und angrenzenden Straßen, sowie im Schlierachweg.
Die Berghalde wurde nach 1925 mit Häusern bebaut. 

Kohleflöz in Miesbach, aufgenommen im Juni 1975 in der Baugrube Höhe des Anwesens Hofäcker am Tölzer Berg und der Schlierach.

Das ehemalige Zechenhaus und Steigerhaus der neuen Schachtanlage sind ebenfalls als Wohnhäuser erhalten.
Quellen:
-Chronik Hausham, Bd. 1: Geschichte des Bergwerks (Inhalt von Wilhelm Hausmann, bearbeitet von Franz Veicht),  Hausham 2002.
-Gasteiger, Michael, Markt und Stadt Miesbach, Miesbach 1957.
-Maier, Katharina, Die Entwicklung des Bergbaus im Raum Miesbach – Hausham und seine siedlungs- und wirtschaftsgeographischen Auswirkungen,
Regensburg 1999 (Magisterarbeit).
-Miesbacher Chroniken des 19. Jahrhunderts, herausgegeben von der Stadt Miesbach, Miesbach 1993.
-Priesner, Claus, Der Bergbau zwischen Mangfall und Leitzach in alter und neuer Zeit, München/Düsseldorf 1982 (= Deutsches Museum, Abhandlungen und Berichte, 50.Jg., Heft 3).
-Weithofer, K. Anton, Das Pechkohlengebiet des bayerischen Voralpenlandes und die Oberbayerische Aktiengesellschaft für Kohlebergbau, München 1920.

Bilder:
Stadtarchiv Miesbach, Heimatmuseum Miesbach

Bearbeitung:
Barbara Wank und Martin Fischhaber,  Stadtarchiv Miesbach.

Dank an:
Bergbaumuseum Peissenberg